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Replikation
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Replikation oder Reduplikation bezeichnet in der Biologie die Vervielfältigung der Nukleinsäuremolekßle als Träger der Erbinformation einer Zelle oder eines Virus. Die Vervielfältigung kann das gesamte Genom aus DNA bzw. RNA betreffen oder auch nur einzelne Chromosomen oder Segmente. Die Reduplikation genannte Verdopplung der DNA in der Synthese-Phase des Zellzyklus geht einer Mitose voraus und betrifft gewÜhnlich den gesamten Chromosomensatz. Doch kÜnnen in Zellzyklen mancher spezialisierter somatischer Zellen bei Eukaryoten auch Teile ihres Genoms unterschiedlich behandelt werden: bestimmte DNA-Sequenzen werden amplifiziert; andere DNAs werden nicht multipliziert und bleiben unterrepliziert in nachfolgenden Zyklen. In solchen Fällen der Differenzierung auf DNA-Ebene wird der allgemeinere Ausdruck Replikation fßr die zelluläre DNA-Synthese bevorzugt.
Der molekulare Mechanismus der Re(du)plikation doppelsträngiger DNA ist stets semikonservativ (von lateinisch semi âhalbâ und conservare âerhaltenâ).cite-ref-chaudhry-1-0[1] Die DNA-Doppelhelix wird enzymatisch in ihre beiden Stränge aufgetrennt; dann katalysieren DNA-Polymerasen an jedem Einzelstrang die komplementäre Ergänzung zu einer halbkonservativen (= halbneuen) DNA-Doppelhelix. âKomplementärâ bedeutet, dass der vereinzelte, konservative DNA-Strang die Basen-Abfolge (Sequenz) seines kĂźnftig gegenĂźberliegenden Stranges eindeutig bestimmt. Jede Base eines DNA-Nukleotids kann nach den Regeln der Basenpaarung nur mit einem festgelegten Partner Ăźber WasserstoffbrĂźcken stabil binden (Adenin â Thymin; Guanin â Cytosin).
Bei RNA-Virencite-ref-cameron-2-0[2] und Retroviren ist deren RNA in die Definition der Replikation eingeschlossen. Alle Viren verwenden zum Replizieren, da sie keinen eigenen Stoffwechsel haben, die notwendigen Ausgangsstoffe der Wirtszelle, teilweise auch deren Enzyme.cite-ref-3[3]
Contents
⢠Das Replikon
⢠Origin
⢠Terminus
⢠D-Loop-Prozess
⢠Siehe auch
⢠Literatur
⢠Weblinks
⢠Einzelnachweise
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Zusammenfassung des Replikationsvorgangs
Replikation ist die Vervielfältigung von Nukleinsäuremolekßlen. In Zellen sind die in Form einer Doppelhelix als DNA-Doppelstrang vorliegenden Nukleinsäuremolekßle die Träger der Erbinformation. Sie liegen bei (eukaryonten) Zellen mit Zellkern im Kern (Nukleus) und werden hier fßr eine Kernteilung vor einer Zellteilung verdoppelt. Bei der Re(du)plikation entstehen aus einem jeweils zwei gleiche DNA-Doppelstrangmolekßle. Damit kann den beiden Kernen zweier Tochterzellen je die gleiche Erbinformation zugeteilt werden.
Der Vorgang der Replikation besteht molekularbiologisch aus einer Reihe von Schritten, die mittels verschiedener Enzyme gesteuert werden. Den Aufbau neuer DNA-Stränge bewirkt ein DNA-Polymerase genanntes Enzym, das hierfĂźr einen Einzelstrang als Matrize benĂśtigt. Denn erst anhand dieser Vorlage kann ein komplementärer DNA-Strang synthetisiert werden, indem jeweils das passende Nukleotid mit dem vorigen verknĂźpft wird. Zunächst muss daher am Ort des Replikationsursprungs (Origin) durch das Enzym Topoisomerase die Drehung der Helix entwunden werden. Dann kann der Doppelstrang durch das Enzym Helikase in diesem Bereich aufgetrennt werden â unter LĂśsen der WasserstoffbrĂźckenbindungen zwischen den Basenpaaren â in zwei einzelsträngige Abschnitte. Mit deren Aufspreizen wird eine sogenannte Replikationsgabel gebildet, die von einzelstrangbindenden Proteinen (SSB-Proteine) stabil gehalten wird. Nun kann eine Primase den beiden vorliegenden Einzelsträngen jeweils kurze RNA-Abschnitte anlagern, sogenannte Primer, mit denen die eigentliche Strangsynthese initiiert wird. Daran nämlich kann die DNA-Polymerase dann ansetzen und â den vorliegenden Einzelstrang als Matrize nutzend mittels Basenpaarung â fortlaufend passende Desoxyribonukleotide aneinanderknĂźpfen zum neuen komplementären Strang. Die DNA-Polymerase knĂźpft einen neuen Baustein des Polynukleotids an dessen 3â˛-Ende an, synthetisiert den neuen Strang also stets in 5â˛â3â˛-Richtung komplementär, während sie sich dementsprechend am antiparallelen Matrizenstrang dabei in 3â˛â5â˛-Richtung entlang bewegt.
Da die beiden jeweils als Matrize dienenden Einzelstränge des frĂźheren Doppelstrangs auch einander komplementär sind und antiparallel zueinander verlaufen, bewegt sich eine synthetisierende DNA-Polymerase auf dem einen Matrizenstrang in Richtung der wandernden Replikationsgabel, und auf dem anderen in Gegenrichtung. An dem einen Matrizenstrang kann so der sogenannte Leitstrang (englisch leading strand) kontinuierlich synthetisiert werden. An dem anderen Matrizenstrang dagegen verläuft der Replikationsvorgang diskontinuierlich. Der gegenläufige neue Strang, Folgestrang (englisch lagging strand) genannt, muss stĂźckweise von einer DNA-Polymerase synthetisiert werden. Dabei entstehen die sogenannten Okazaki-Fragmente. Deren RNA-Primer werden alsdann von einer anderen DNA-Polymerase durch DNA ersetzt. AnschlieĂend kĂśnnen die Fragmente von einer DNA-Ligase zu einem Gesamtstrang verknĂźpft werden. Das Ergebnis der Replikation sind schlieĂlich zwei (nahezu) identische DNA-Doppelstränge, bei denen jeweils eine Hälfte neu ist. Die Replikation erfolgt somit semi-konservativ, denn ein jeder Doppelstrang setzt sich aus einem vorbestehenden und einem neusynthetisierten Einzelstrang zusammen.
Semikonservatives Prinzip
Schon Watson und Crick erkannten, dass die im Doppelstrang gepaarten Basen eine Voraussetzung fĂźr die Bildung neuer DNA sind: âEs ist unserer Aufmerksamkeit nicht entgangen, dass die spezifische Paarbildung, die wir hier voraussetzen, sogleich an einen mĂśglichen Kopiermechanismus fĂźr das genetische Material denken lässt.âcite-ref-4[4]cite-ref-5[5] Drei MĂśglichkeiten der Replikation waren denkbar: dispersiv oder total konservativ oder halb konservativ. Letzteres Modell wurde durch den Meselson-Stahl-Versuch belegt.cite-ref-6[6]cite-ref-7[7] Demnach wird der Original-Doppelstrang geĂśffnet, anschlieĂend dienen beide Einzelstränge in der Replikation als Vorlage (als konservative Matrize). Der neue Strang entsteht nach den Regeln der Watson-Crick-Basenpaarung. Die Replikation nach dem semikonservativen Prinzip stellt den allgemein angenommenen Mechanismus dar. Alle anderen Prinzipien sind Sonderfälle, die jeweils nur zum Teil bewiesen sind.
Da alle Bakterien sowie die Zellkerne aller Eukaryoten doppelsträngige DNA (dsDNA) enthalten, kommt dieser Replikationsmechanismus in der Natur am häufigsten vor. Ausnahmen bilden einige Mitochondrien, bei denen ein anderer Mechanismus abläuft, sowie Plasmid- und Virengenome, bei denen die Erbinformation als DNA-Einzelstrang (ssDNA) vorliegen kann. Hier musste ein gänzlich anderer Mechanismus gefunden werden: der Rolling circle. Bei Retroviren, deren Erbinformation stets in Form eines RNA-Doppel- oder -Einzelstrangs vorliegt, wird die Replikation von der Wirtszelle ßbernommen, indem die RNA durch eine Reverse Transkriptase in DNA umgeschrieben und in das Wirtsgenom eingebaut wird.
Das Replikon
Das Replikon ist die elementare Einheit der Replikation.cite-ref-8[8] Prokaryoten und Plasmide haben meist nur ein Replikon; dieses reicht aus, um die kleinen Genome in kurzer Zeit zu multiplizieren. Ausnahmen sind einige Bakterien und Archaeen. Die groĂen Genome der Eukaryoten sind in mehrere beziehungsweise viele Replikationsabschnitte gegliedert. Ein Replikon wird in der Regel symmetrisch aktiv, und zwar in der S-Phase, einem Zeitfenster des Zellzyklus fĂźr die DNA-Synthese.
Mitten im Replikon sitzt der Origin, der Ursprung der Replikation. Sobald der Origin aktiviert ist, wandert je eine Replikationsgabel (Wachstumsgabel) in die eine, die andere Gabel in die entgegengesetzte Richtung. Somit entspricht einer geĂśffneten Gabel ihre âZwillings-Gabelâ; beide entfernen sich (idealerweise) mit gleicher Geschwindigkeit vom gemeinsamen Origin. Da DNA-Polymerasen 5' â 3' replizieren, steht auf der einen Seite des Origins zuerst die HO-Matrize als Leitstrang zur VerfĂźgung. Auf der anderen Seite des Origins wird unausweichlich der andere Strang zum Leitstrang. Das Replikon ist in beiden Richtungen vollständig repliziert, sobald jede der beiden Gabeln auf die Replikationsgabel ihres benachbarten Replikons trifft. Ein Replikon-Ende oder Terminus besitzt in der Regel keine definierte Sequenz, fordert lediglich fĂźr das Replikon eine endliche Länge.
Origin
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Hauptartikel
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Replikationsursprung
Eukaryoten haben sehr aktive und weniger aktive Replikations-Startstellen. Dazu gibt es schlafende Origins, die fĂźr Notfälle vorgesehen sind.cite-ref-9[9] Die Zahl der Replikations-Startpunkte entspricht der GrĂśĂe des jeweiligen Genoms. Darmbakterium Escherichia coli: 1 Origin. Bäckerhefe Saccharomyces cerevisiae: ~350 Origins. Mensch Homo sapiens: 40000 bis 80000 Origins.cite-ref-10[10]cite-ref-11[11]
Replikationsgabel
Mit Pulsen radioaktiver Markierung gelang es bei Zellen des Chinesischen Hamsters und bei HeLa-Zellen, die DNA-Synthese im Lichtmikroskop anschaulich zu machen. Die chromosomale DNA besteht aus Tandem-Abschnitten (Replikons), in denen die (Mutter-)DNA in gabelartigen Wachstumspunkten repliziert. Der Fortschritt einer Gabel wurde auf hÜchstens 2,5 Mikrometer in der Minute geschätzt. Wichtig ist auch, dass benachbarte Gabeln gleichzeitig aktiv werden.cite-ref-12[12] Damit ist jedoch nicht ausgeschlossen, dass sich die Replikationzeit des Euchromatins von der des Heterochromatins unterscheidet.
Molekulargenetische Untersuchungen ergaben Modelle fĂźr die submikroskopischen Details der Gabel:
Das Schema zeigt an einer vom Origin aus nach rechts wandernden Replikationsgabel die beteiligten Enzyme bzw. MolekĂźle in Eukaryoten. Vorneweg arbeitet eine Topoisomerase; sie entwindet das DNA-MolekĂźl aus komplexen Strukturen des Interphase-Chromatins. Eine Helikase trennt die beiden antipolaren Stränge der Doppelhelix. Proteingruppen stabilisieren die Einzelstränge, damit sich diese nicht sofort wieder komplementär paaren. Eine DNA-Polymerase (Pol δ) ergänzt seit ihrem Start am Origin kontinuierlich 5' â 3' den Leitstrang zur halb-konservativen, halb-neuen Doppelhelix.
Am Folgestrang geschieht die Replikation ebenfalls 5' â 3', allerdings diskontinuierlich. Zuerst katalysiert eine RNA/DNA-Primase (Pol Îą) einen RNA-Primer, der zu einem kurzen DNA-StĂźck, einem Okazaki-Fragment verlängert wird. Eine Pol δ Ăźbernimmt fĂźr eine kurze Strecke die Replikation des Folgestranges zur Doppelhelix. Dann katalysiert eine Pol Îą den nächsten Primer, das nächste Okazaki-Fragment folgt, und so weiter. Eine DNA-Ligase fĂźllt mit Desoxynukleotiden die LĂźcken, die eine RNase H (nicht im Schema gezeigt) beim Abbau des RNA-Primers hinterlieĂ.
Der koordinierte, gleichzeitige Fortschritt der Folgestrang-Replikation mit der des Leitstranges ist dem beschriebenen Gabelschema nicht anzusehen. Damit die Primase/Pol ι am Folgestrang Gelegenheit bekommt, einen RNA-Primer zu katalysieren und die ersten Desoxynukleotiden anzuhängen, bildet der Folgestrang eine Schlaufe. In dieser ersetzt ein Molekßl Pol δ die Primase/Pol ι und verlängert das anfängliche RNA-DNA-Hybrid zu einem Okazaki-Fragment. Mit Hilfe der Schlaufe gelangt die Folgestrang-Pol δ gleichgerichtet an die kontinuierlich aktive Pol δ des Leitstranges. Beide Polymerasen verbinden sich und bewerkstelligen die Replikation synchron.cite-ref-13[13] Dieses Modell erläutert die Bedeutung zweier weiterer Molekßle. Damit die Pol δ an die Matrize bindet, braucht es den Replikationsfaktor C (RFC),cite-ref-rfc-14-0[14] der auch das PCNA (das nukleäre Antigen proliferierender Zellen) auflädt. Die Klammer des PCNA verhindert, dass Pol δ von der Matrize abfällt.cite-ref-15[15]
Da die aus demselben Origin entgegengesetzt laufende Replikationsgabel gleichfalls eine Schlaufe fĂźr ihren Folgestrang bildet, ist das Replikationsauge eine spannungsfreie, symmetrische Figur.
Terminus
Bei den Eukaryoten gibt es innerhalb der Chromosomen keine definierte Sequenz fßr die Beendigung der Replikation; der Terminus stellt lediglich eine molekulare morphologische Beschreibung dar. Dennoch: Keine Regel ohne Ausnahme. Es gibt sequenzspezifische Barrieren, die eine Replikationsgabel aufhalten, bevor die gegenläufige Gabel ankommt. Am besten untersucht sind die polaren Replikationsbarrieren, welche die ribosomale DNA begrenzen. Diese Termini sind die Voraussetzung fßr die lokale Amplifikation der rDNAs. Dann ist die spezifische Termination vor den Telomeren zu nennen; die Replikation stoppt, wenn die Gabel das Chromosomenende erreicht.cite-ref-16[16]cite-ref-17[17]
Ablauf der Replikation
⢠Initiation stĂśĂt die Replikation an. Hier wird die DNA-Doppelhelix an einer bestimmten Stelle mit Hilfe der Helikase aufgebrochen und eine Polymerase lagert sich nach der Markierung durch eine Primase an die aufgebrochene DNA.cite-ref-chaudhry-1-1[1]
⢠Elongation, in der die eigentliche Vervielfältigung vonstattengeht. Die beiden Stränge werden zeitgleich komplementär synthetisiert.
⢠Termination schlieĂt die DNA-Synthese ab.
⢠DNA-Reparatur zur Korrektur eventuell entstandener Kopierfehler.cite-ref-18[18]
Prokaryotische Replikation
Initiation
In der Zelle liegt die helikale DNA nicht geordnet ringfĂśrmig oder linear vor, sondern ist zusätzlich in sich verdrillt zu so genannten âsupercoilsâ: Während sich die DNA-Doppelhelix bei Eukaryoten um basische DNA-Strukturproteine wie Histone wickelt und der gesamte Komplex aus DNA-MolekĂźl und zugehĂśrigen Strukturproteinen zusätzlich durch Faltungen und Verdrehungen komprimiert und dadurch auch stabilisiert wird, ist das bei Prokaryoten (sowie Organellen mit eigener DNA wie z. B. Mitochondrien und Chloroplasten) nicht in gleicher Weise der Fall, da sie keine Histone besitzen. Man hat aber âhistonähnliche Proteineâ (englisch histone-like protein, HLP) gefunden, die fĂźr einen ähnlichen Effekt sorgen.cite-ref-19[19]cite-ref-20[20]cite-ref-tpc-chloroplastnucleoids-21-0[21] Um repliziert werden zu kĂśnnen, muss die DNA entwunden werden. Die Folge der Entwindung der DNA an einer Stelle ist die zunehmende Verdrillung des gesamten DNA-Doppelstranges. Um Torsionsspannungen bei der Entwindung entgegenzuwirken, läuft vor jeder Replikationsgabel eine Topoisomerase, die die Verdrillung vermindern kann (Entspannungsreaktion). Dazu ist die Spaltung der DNA-Stränge notwendig. Je nach Enzymtyp (Topoisomerase I oder II (II ist Gyrase in E.coli)) werden kontrolliert Einzel- oder DoppelstrangbrĂźche durchgefĂźhrt. Nach der Entwindung werden die zuvor gespaltenen Phosphorsäureesterbindungen des Zucker-Phosphat-GerĂźsts der DNA durch das Enzym wieder geknĂźpft.
Fßr die Initiation der Replikation ist ein spezieller Ort, der Replikationsursprung (englisch Origin) auf der meist ringfÜrmigen DNA notwendig, der den Startpunkt bestimmt. An dieser Stelle werden die Wasserstoffbrßckenbindungen zwischen den Basen der beiden Einzelstränge aufgetrennt. Der sogenannte oriC umfasst 245 Basenpaare (bp) und enthält eine Tandemanordnung mit AT-reichen Sequenzen, die folgende Consensus-Sequenz aufweisen:
5â˛-GATCTNTTNTTTT-3Ⲡ3â˛-CTAGANAANAAAA-5â˛
In E.coli gibt es 5 Bindungsstellen fĂźr das DnaA-Hexamer. Zunächst wird das Initiatorprotein DnaA durch Adenosintriphosphat (ATP) aktiviert und an fĂźnf jeweils 9 bp lange DnaA-Boxen gebunden. Insgesamt lagern sich etwa 20 DnaA-Proteine als Schleife um die DNA zusammen. Die Proteine IHF und FIS binden an spezifische Abschnitte des oriC und lĂśsen die Beugung der DNA zu einer haarnadelähnlichen Struktur aus, welche auch die Bindung von DnaA unterstĂźtzt. SchlieĂlich kann die Entwindung der Doppelhelix an drei aufeinanderfolgenden, 13 bp langen Adenin- und Thymin-reichen Sequenzen (auch â13-mer-Sequenzenâ genannt) starten.
Dieser Vorgang wird von einer Helikase unter ATP-Verbrauch katalysiert (bei E. coli heiĂt diese DnaB und wird durch das Protein DnaC zum Origin geleitet). Die Helikase arbeitet von 5'-3'-Richtung. Durch die Auftrennung des Doppelstranges entstehen so am Origin zwei Replikationsgabeln, die während der Replikation bidirektional auseinanderlaufen. Damit sich die Basen nicht wieder Ăźber WasserstoffbrĂźckenbindungen paaren, halten sogenannte Einzelstrang-bindende Proteine (bei den Prokaryoten heiĂt dies âSSB-Proteinâ fĂźr englisch single-strand-binding-protein) die einzelnen Stränge auseinander.
Im Anschluss der Ăffnung folgt das Priming: An den nun freien Einzelsträngen wird durch eine RNA-Polymerase, die Primase (in E. coli DnaG), ein kurzes RNA-StĂźck, der Primer (unter zellulären Bedingungen etwa 10 Nukleotide), gesetzt. Dieser Komplex wird als âPrimosomâ bezeichnet und ist notwendig, da der Hauptproteinkomplex der Replikation, die DNA-Polymerase, mit der Synthese des jeweils zweiten Stranges DNA nur an einer freien 3â˛-OH-Gruppe beginnen kann. Das heiĂt: Die DNA-Polymerase benĂśtigt den Primer als âStarthilfeâ fĂźr die Replikation, auch wenn es sich dabei um RNA handelt. Die fĂźr den Primer eingesetzte RNA-Polymerase benĂśtigt nur den Einzelstrang als Matrize. Hat die DNA-Polymerase dann aber erst mit der Synthese des zweiten Stranges (von 5Ⲡnach 3â˛) begonnen, kann sie kaum unterbrochen werden und arbeitet bis zur Termination fort. Somit muss die Regulation der Replikation in der Initiationsphase geschehen.
Elongation
Nach der Initiation und der nun beginnenden Polymerisierung wird die Elongationsphase durchlaufen. Hier synthetisiert die DNA-Polymerase III die komplementären Stränge zu den Einzelsträngen: Die Basen der Einzelstränge werden nacheinander abgelesen und, nach dem Prinzip der komplementären Basenpaarung, im synthetisierten Strang entsprechend nacheinander eingebaut. Fßr die DNA-Synthese notwendige Bausteine liegen in Form der freien Nukleotide in der Zelle vor.
Dabei ergibt sich jedoch ein Problem: Die DNA-Polymerase kann nur in 5â˛â3â˛-Richtung synthetisieren. Da nun aber der DNA-Polymerasekomplex an beiden Strängen gleichzeitig synthetisiert, beide Stränge aber gemäà der doppelhelikalen Struktur entgegengesetzt orientiert sind, ergeben sich zwei gegenläufige (auch antiparallele) Stränge an der Replikationsgabel. Am Leitstrang kann nach einmaligem Priming bis zur Symmetrieachse der Replikationsgabel durchgehend repliziert werden, da dieser genau mit der Leserichtung des Polymerasekomplexes und in Laufrichtung der Replikationsgabel orientiert ist. Am Folgestrang ist eine kontinuierliche Replikation hingegen nicht mĂśglich, da er in die âfalsche Richtungâ verläuft. Dabei läuft die Polymerase bei dem ersten Lauf gegen den Primer des Leitstranges der zweiten Replikationsgabel, die in die andere Richtung verläuft. Nach der Unterbrechung muss ein erneutes Priming auf dem Folgestrang erfolgen, damit die Polymerase wieder erneut ansetzen kann. Dieses Priming erfolgt immer direkt der Helikase folgend. In den folgenden unregelmäĂigen Polymerasezyklen am Folgestrang beendet die Polymerase die Synthetisierung immer am letzten RNA-Primer, also am 5â˛-Ende des vorhergehenden Fragments. Die so entstehenden DNA-Einzelfragmente werden auch als Okazaki-Fragmente bezeichnet. Die DNA-Polymerase hat verschiedene Domänen: die eigentliche Polymerase-Domäne zum Anhängen von Nukleotiden, die DNA-Klammer, um auf der DNA zu gleiten, ohne abzusetzen und die 5'-3'-Exonuklease-Domäne, welche der Korrekturlesefunktion direkt nach dem Einbau der Basen dient.
Es gibt einige gut belegte Hinweise darauf, dass der Bereich zwischen Primase und dem letzten Okazaki-Fragment als eine Schleife (auch als âPosaunen-Modellâ bezeichnet) verdreht wird, so dass die Polymerase beide Stränge mit gleicher Laufrichtung bearbeiten kann.cite-ref-22[22] Ist die Synthese der Schleife beendet, wird diese wieder aufgelĂśst und eine neue Schleife gebildet. Hier scheint wieder eine Topoisomerase mitzuwirken. Da die Verdoppelung an einem Strang kontinuierlich, am anderen mit Unterbrechungen verläuft, spricht man auch von einer semidiskontinuierlichen Verdoppelung.
Damit nun ein kontinuierlicher Strang entsteht, der keine RNA-Stßcke enthält, tritt noch während der Replikation ein weiterer Mechanismus in Aktion: Eine RNase H entfernt die RNA-Primer und DNA-Polymerase I fßllt die entstandene Lßcke mit der jeweils komplementären DNA. DNA-Polymerase I kann auch selbst RNA entfernen.cite-ref-0-23-0[23]
Die DNA-Ligase schlieĂt dann die Bindung vom 3â˛-Ende des neuen zum 5â˛-Ende des alten DNA-StĂźckes, stellt also zwischen den neu synthetisierten DNA-Strängen die Phosphodiesterbindungen her.cite-ref-0-23-1[23]
Termination
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Hauptartikel
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Termination (Genetik)
Bei den Prokaryoten mit einer ringfĂśrmig aufgebauten DNA sind gegenĂźber dem Origin gelegene Terminationssequenzen gefunden worden. Dabei handelt es sich genauer um zwei Sequenzen, jeweils eine fĂźr eine Replikationsgabel. Normalerweise muss die Termination nicht besonders ausgelĂśst werden, da, wenn zwei Replikationsgabeln aufeinanderlaufen bzw. die DNA, wie bei einer linearen Form, endet, die Replikation damit automatisch beendet wird. Es handelt sich hierbei um ein Kontrollelement, damit die Replikation bei verschiedenen Replikationsgeschwindigkeiten beider Replikationsgabeln kontrolliert an einem bestimmten Punkt endet. Die Terminationsstellen sind Bindeorte fĂźr das Protein Tus (englisch terminus utilizing substance). Dieses blockiert die replikative Helikase (DnaB) und bringt damit die Replikation zum Stillstand.cite-ref-24[24]
Die replizierten ringfĂśrmigen Stränge bleiben bei Prokaryoten nach der Replikation noch fĂźr eine Weile miteinander verbunden, genau an dieser terminalen Stelle, damit sie nach der Zellteilung von weiteren Prozessen abschlieĂend getrennt und aufgeteilt werden kĂśnnen. Ohne diese Verbindung scheint eine Kontrolle bei der Verteilung nicht vorhanden zu sein. Die Trennung der DNA-Ringe kann Ăźber zwei Mechanismen erfolgen, wobei entweder eine TypI- oder eine TypII-Topoisomerase beteiligt ist.
Eukaryotische Replikation
Die Replikation läuft bei Eukaryoten im Wesentlichen identisch ab. Allerdings gibt es einige Ausnahmen und Sonderfälle. So muss berĂźcksichtigt werden, dass die DNA stärker âverpacktâ ist (z. B. beim Heterochromatin), die DNA-bindenden Proteine (die Histon- und Nicht-Histon-Proteine) stärkeren Einfluss haben und die DNA in linearer Form vorliegt. Zudem handelt es sich bei den beteiligten Proteinen in der Regel um solche mit gleicher Funktionalität, aber unterschiedlichem Aufbau.
Einer der wesentlichen Unterschiede liegt in der Initiation: Bei den Eukaryoten gibt es mehrere Origins. Der Vorteil dessen ist leicht ersichtlich, da zum einen die Replikation durch die mehr vorhandenen DNA-bindenden Proteine langsamer verläuft, zum anderen die eukaryotische Polymerase (verschiedene Polymerasen, welche mit griechischen Buchstaben bezeichnet werden und sich bei der Synthese von Leit- und Folgestrang â PolÎą respektive Polδ â unterscheiden), die einen komplexeren Reparaturmechanismus als bei Prokaryoten besitzt (englisch proofreading), langsamer fortschreitet. Die Polymerase schafft bei Eukaryoten ca. 50 bis 100 Nukleotide pro Sekunde, während bei Prokaryoten mehr als 1000 Nukleotide pro Sekunde ergänzt werden kĂśnnen. Des Weiteren ist die eukaryotische DNA in der Regel wesentlich grĂśĂer als die der Prokaryoten (einigen Millionen Basenpaaren bei Prokaryoten gegenĂźber wenigen Milliarden bei Eukaryoten). Mehrere Origins und damit mehrere Replikationseinheiten verkĂźrzen die Zeit, die benĂśtigt wird, das gesamte Genom zu replizieren, auch wenn die Geschwindigkeit von Prokaryoten nicht erreicht wird (Die Replikationszeit der Prokaryoten liegt im Bereich von einigen Minuten, bei Eukaryoten beträgt sie mehrere Stunden).
Die Origins der Eukaryoten haben keine spezielle Sequenz, vielmehr handelt es sich wohl dabei um eine sogenannte Consensus-Sequenz, also eine Ăhnlichkeitssequenz. Diese werden auch ARS-Elemente genannt. Andere Befunde gehen davon aus, dass groĂe Bereiche der DNA, sogenannte Replikationszentren, als mĂśgliche Startpunkte fĂźr die Replikation dienen kĂśnnen. Die, wie auch immer, als Origin erkannten Stellen werden durch einen Origin-Erkennungskomplex (englisch origin recognition complex, ORC), einen Cdc6-Protein und sogenannte MCM-Proteine (englisch minichromosome maintenance protein), welche als Helikasen dienen, markiert. Diese später wieder entfernten Proteine bilden quasi die Vorhut zur Replikation. Der ORC bindet an den Origin, weiterhin rekrutiert ORC andere Faktoren (Cdc6, Cdt1 und âHelicase Loading Proteinsâ), daraufhin binden MCM-Helikasen, welche die DNA aufschmelzen. Nur einmal während der S-Phase wird die Replikation initiiert (trotz der 10.000 Origins auf dem eukaryotischen Genom). Cycline geben im Zellzyklus das Signal zur Replikation.
Der weitere Initiationsverlauf sowie die Elongation ist mit dem der Prokaryoten funktional identisch.
Terminale Sequenzen wurden bisher bei den Eukaryoten nicht entdeckt. Sie scheinen auch keine Bedeutung zu haben, da der Replikationsapparat automatisch beendet wird, sobald das Ende der DNA erreicht wird. Hierbei ergibt sich aber, im Gegensatz zur ringfĂśrmigen DNA-Struktur der Prokaryoten, ein Problem: Die DNA-Polymerase synthetisiert am Mutterstrang jeweils von 3Ⲡnach 5â˛. (Der Tochterstrang hat also die Ausrichtung 5â˛â3â˛) Die Polymerase benĂśtigt aber eine Primase als Starthilfe, um DNA duplizieren zu kĂśnnen. Die Primase ist ein Enzym, welches eine kurze Startsequenz der DNA als RNA repliziert. Dieses AnfangsstĂźck präsentiert der DNA-Polymerase ein Nukleotid mit einem freien 3â˛-OH-Ende, an welches es weiter DNA-Nukleotide synthetisieren kann. Nach erfolgreicher Synthese werden die RNA-Primer von Enzymen (Flap-Endonukleasen) zerstĂśrt und hinterlassen so LĂźcken. An den Telomeren, den Enden der Chromosomen, kĂśnnen diese LĂźcken aber nicht geschlossen werden, da kein vorhergehendes 3â˛-Ende vorhanden ist. Ganz ähnlich entstehen die Okazaki-Fragmente bei der Synthese des VerzĂśgerungsstrangs. Hierbei muss die Polymerase nämlich in die verkehrte Richtung arbeiten, weshalb viele Primasen verwendet werden mĂźssen. Die Primase liegt bei Eukaryoten im Gegensatz zu Prokaryoten nicht als eigenes Enzym, sondern gebunden an die DNA-Polymerase alpha (PolÎą) vor. Die dabei entstehenden LĂźcken werden aber von Polδ gefĂźllt und mit DNA-Ligasen verbunden. Dies ist mĂśglich, da hier immer ein vorhergehendes Nukleotid mit einem 3â˛-Ende vorhanden ist. Da an den Telomeren keine solchen Nukleotide vorhanden sind, ist die vollständige Synthese der Enden nicht mĂśglich. So verkĂźrzen sich bei jeder Chromosomenverdopplung die Telomere am 5â˛-Ende beider Tochterstränge. Da Telomere aus einer tandemartig-repetitiven Sequenz, also einer hintereinander sich wiederholenden Sequenz aufgebaut sind, die keine Strukturgene beinhaltet, ist ein Verlust bis zu einer gewissen Länge nicht von groĂem Nachteil. Man vermutet aber, dass die DNA mit zunehmender Replikationsanzahl instabiler wird, da die stabilisierende Wirkung der Telomere immer schwächer wird. Eventuell kĂśnnte dies ein genetisches Indiz fĂźr das Altern sein.
AuĂer bei Einzellern wie dem Wimpertierchen Tetrahymenacite-ref-25[25] hat man bei Vielzellern in den Keimbahnzellen und Stammzellen sowie im Knochenmark (Blutbildung) und auch bei einigen Tumorzellen ein Enzym namens Telomerase entdeckt, welches diesen Verlust kompensiert. Dies ist eine Reverse Transkriptase (RNA-abhängige DNA-Polymerase), denn in ihr liegt die repetitive Sequenz als Matrize in RNA-Form vor. Sie verlängert den Leitstrang um einige Sequenzen, so dass die DNA-Polymerase nach erfolgtem Priming den Folgestrang synthetisieren kann.
Die Replikation wird in einem Abschnitt des Zellzyklus angestoĂen: bei den Eukaryoten in der S-Phase (DNA-Synthesephase), die selbst zur Interphase gehĂśrt.
Reduplikation in Keimbahn und Stammzellen
Damit der genetische Bauplan einer biologischen Art und das Programm fßr seine zeitgerechte Verwirklichung erhalten bleibt, erfßllen die Zellen der Keimbahn eine Notwendigkeit: Sie mßssen ihre Erbinformation vor jeder Kern- und Zell-Teilung exakt verdoppeln.cite-ref-cox-26-0[26] Die Chromosomen verwirklichen dieses Erfordernis, was an ihren Enden, den Telomeren, einer besonderen LÜsung bedarf. Der strengen Regel fßr den mitotischen Zellzyklus gehorchen auch (pluripotente) Stammzellen.cite-ref-27[27]cite-ref-28[28] An die identische, vollständige, semikonservative Replikation ist die Zellteilung stark gekoppelt.
Replikation in somatischen Zellkernen
⢠Endoreplikation: Im Soma vieler Organismen kommt es zu mehreren abfolgenden Zellzyklen mit genetischer Multiplikation, nach denen sich die vergrĂśĂerten Zellkerne, folglich auch die betreffenden Zellen, nicht teilen. Diese Art wiederholter DNA-Synthesen heiĂt Endoreplikation. Dabei mag es sich oft um vollständige Reduplikationcite-ref-29[29] handeln; doch nicht selten ist die Endoreplikation ein selektiver Prozess, und zwar:
⢠Bei der Amplifikation werden bestimmte DNA-Sequenzen gegenĂźber dem restlichen Genom ĂźbermäĂig repliziert.cite-ref-30[30]cite-ref-31[31] Die Chorion-Gene bei Drosophila melanogaster amplifizieren in den Follikelzellen sechzigfach, bevor ihre Transkription beginnt. Solche Ăberreplikation garantiert eine groĂe Menge an mRNA fĂźr die HĂźlle der Fliegeneier.cite-ref-32[32]cite-ref-33[33]
⢠Bei der Unterreplikation dagegen werden bestimmte Sequenzen von den Verdoppelungsrunden ausgeschlossen. Das genetische Ergebnis ist durchaus mit dem der Elimination zu vergleichen.cite-ref-34[34]cite-ref-35[35]cite-ref-36[36] In polytänen Chromosomen von D. melanogaster bleiben einzelne Replikationsgabeln in 20 % ihrer Banden stecken: Die Replikation wird stellenweise nicht beendet. Das ist allerdings eine unschädliche Art von Genom-Instabilität, da sie sich in somatischen Zellen, nämlich in den Speicheldrßsen, ereignet.cite-ref-37[37]
⢠Diminution, Elimination: Verschiedene Eukaryoten verzichten ab einem gewissen embryonalen Entwicklungspunkt reguliert auf einen beträchtlichen Teil ihrer DNA. Besonders dramatisch sehen unter dem Lichtmikroskop jene Fälle aus, die Chromosomen ganz oder teilweise aus somatischen Zellkernen entfernen.cite-ref-38[38]cite-ref-39[39] Die Fachbezeichnungen dafßr sind Chromatin-Diminution oder Chromosomen-Elimination.cite-ref-40[40]cite-ref-41[41]cite-ref-42[42]cite-ref-43[43]cite-ref-44[44]
Strukturelle Mechanismen
Die Replikation kann mit verschiedenen molekularen Mechanismen ablaufen, die von der Primärstruktur der Nukleinsäure abhängen. Neben dem symmetrischen Prozess der bidirektionalen Replikation, welcher bisher beschrieben wurde, gibt es asymmetrische Prozesse, nämlich: Telomer-Reproduktion, D-Loop-Prozess und Rolling-Circle-Prinzip.
Bidirektionale Replikation
Die Vervielfältigung der DNA in linearen Chromosomen des Kerngenoms einer eukaryoten Zelle sowie des Bakteriengenoms erfolgt zweiseitig symmetrisch. Die Replikation geht von vielen Startsequenzen (âOriginsâ) aus, die Ăźber die DNA-Doppelhelix (eines Chromosoms) verteilt sind. Die Zahl der Origins entspricht der (mĂśglichen) Anzahl der Replikationseinheiten (âReplikonsâ). Die bidirektionale Replikation läuft von jedem Origin entgegengesetzt, in beide Richtungen, und zwar gleichzeitig an beiden Einzelsträngen der DNA-Doppelhelix. Das bidirektionale Prinzip kommt in der Natur am häufigsten vor.
Telomer-Reproduktion
â
Hauptartikel
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Telomer
Die identische Vervielfältigung der Telomere ist ein Problem linearer DNA-MolekĂźle bzw. ihrer Chromosomen. Die beiden Enden einer Doppelhelix erlauben keine bidirektionale Replikation, weil es am âFolgestrangâ schlieĂlich keine Ansatzsequenz fĂźr einen RNA-Primer gibt. Deswegen bleibt am Chromosomenende der Folgestrang eine Primerlänge (20 bis 200 Nukleotide) kĂźrzer als der âLeitstrangâ. Da eine normale DNA-Replikation nicht mĂśglich ist, setzt am Leitstrang die Telomerase an. Dieses (hybride) Enzym besteht aus einem Proteinteil und der RNA-Komponente 3'- CAACCCCAA-5' (bei Tetrahymena). Die neun RNA-Nukleotide enthalten die Matrize (fett), der entsprechend das einzelsträngige Telomer-Segment 5'-TTGGGG-3' wiederholt aneinander gereiht wird und den (ehemaligen) Leitstrang tandemartig verlängert.cite-ref-45[45]
⢠Telomerase: Das Enzym wirkt an der 5'-3'-DNA-Matrize als Reverse Transkriptase, und zwar in drei Schritten: 1. Andocken mit der RNA-Sequenz an das 3'-Ende des chromosomalen DNA-Leitstranges; 2. Verlängern des 3'-Endes; 3. VorrĂźcken um ein Telomermotiv an das soeben gebildete 3'-Ende.cite-ref-46[46] Das funktioniert wie der Bau einer BrĂźcke, die mit einer selbsttragenden Konstruktion vorangetrieben wird. Zuletzt klappt die einzelsträngig verlängerte Telomer-DNA etwas um und bildet mit sich selbst auĂergewĂśhnliche GG-Basenpaare. In der entstandenen Schlaufe wird die einzelsträngige DNA von der (normalen) DNA-Polymerase zur Doppelhelix vervollständigt.cite-ref-47[47]
Zellen mit aktiver Telomerase sind in der Lage, die Telomere vor jeder Teilung zu reproduzieren und zu bewahren. Notwendig ist dies vor allem in der Keimbahn und in Stammzellen.cite-ref-48[48] Alternde somatische Zellen kommen dieser Anforderung nicht (mehr) nach, wenn ihre Telomere âverschleiĂenâ.
⢠Telomeren-Schwund: Soweit der Sachverhalt zu messen ist, enthalten die Zellkerne nach jeder Teilung kßrzere Telomere. Der Verlust an repetitiven Telomersequenzen gehÜrt zum zellulären Alterungsprozess und fällt besonders in Zusammenhang mit vielen Krankheiten auf. Wenn die Telomersequenzen nicht mehr vollständig reproduziert werden, sind die Chromosomenenden irgendwann nicht mehr ausreichend geschßtzt. So kommt es zu genomischer Instabilität.cite-ref-49[49]cite-ref-50[50]
⢠Telomer-Transposition: Die Entdeckung ßberraschte, dass ein Modellorganismus ßber keine Telomerase verfßgt. Die Taufliegen der Art Drosophila vervollständigen die chromosomalen Telomere durch Transposition.cite-ref-51[51] Während die Drosophila-Arten das Telomerase-Gen verloren haben, ist es bei anderen Organismen mit Telomer-Transposition noch vorhanden; dazu gehÜren der Seidenspinner Bombyx mori und der Rotbraune Reismehlkäfer Tribolium castaneum.cite-ref-52[52]
D-Loop-Prozess
Manche Chloroplasten und Mitochondrien besitzen ringfĂśrmige DNA. Die Replikation beginnt an einem Strang in der groĂen, nicht-codierenden Region. Der Polymerasekomplex läuft nur in eine Richtung und produziert einen kurzen, dritten Strang, bekannt als 7S-DNA. Diese dreisträngige Struktur ist im Elektronenmikroskop als D-Loop zu erkennen. (D-Loop von engl. displacement loop: AblĂśse- oder Verdrängungsschlaufe.)cite-ref-53[53] Wenn der schon replizierte Strang mehr als zwei Drittel der ursprĂźnglichen DNA verdrängt hat, lĂśst er sich (von der Matrize). Der gelĂśste Strang wird unabhängig (zur dsDNA) repliziert.
Rolling-Circle-Replikation
Plasmide und viele zirkuläre ssDNA-Viren (die prototypischen Vertreter der Monodnaviria) zeigen ein besonderes Replikationsprinzip, die Rolling-Circle-Replikation (englisch rolling circle replication RCR).cite-ref-ssdna-rcr-54-0[54]cite-ref-55[55]cite-ref-56[56]cite-ref-57[57] Liegt deren Nukleinsäure als Einzelstrang vor, wird sie komplementär zu einem Doppelstrang ergänzt. Ist das Erbmaterial (bereits) eine doppelsträngige Nukleinsäure, bricht eine Endonuklease einen Strang auf, indem die Verbindung zwischen zwei benachbarten Basen getrennt wird. An dieser geĂśffneten Stelle setzt ein Polymerasekomplex an, der nur in eine Richtung arbeitet. Das 3â˛-OH-Ende des geschnittenen Stranges dient dabei als Ansatzpunkt fĂźr einen sogenannten Primer, von dem aus der offene Strang verlängert wird. FĂźr die einseitige Polymerisation dient der nicht aufgebrochene Ring als komplementäre Matrize. Die Replikationseinheit wandert um den inneren Strang herum wie um einen rollenden Kreis (Rolling circle).
Der innere Strang kann wiederholt als Matrize dienen, sodass mehrere Duplikate hintereinander entstehen, teilweise als Concatamere. Diese werden nach dem ersten Replikationsschritt zerlegt. Entweder bleiben die neuen Produkte einzelsträngig oder dienen als Matrize fßr einen zweiten Schritt, aus dem die replizierten doppelsträngigen Nukleinsäuren hervorgehen.
Das Rolling-circle-Prinzip scheint in der Natur in verschiedenen Formen zu existieren. Der beschriebene Ablauf stellt die verbreitetste Hypothese dar. â Erläuterung zu Viren: Diese lassen sich nach Art ihrer Nukleinsäuren in sechs Klassen einteilen. 1. Viren mit Doppelstrang-DNA; 2. mit Einzelstrang-DNA; 3. mit Doppelstrang-RNA; 4. mit positivem RNA-Einzelstrang; 5. mit negativem RNA-Einzelstrang; 6. Retroviren replizieren ihre RNA zu DNA, von der schlieĂlich neue Virion-RNA multipliziert wird.cite-ref-58[58]
Das Modell des rollenden Kreises kommt zum Beispiel bei der Konjugation zweier Bakterien vor. Dabei gibt ein Bakterium den Einzelstrang eines Plasmids an ein anderes Bakterium weiter, während es die eigene, ringfÜrmige DNA des Plasmids behält. Bisher wenig erforschte ringfÜrmige DNAs wurden extrachromosomal in menschlichen Krebszellen beobachtet.cite-ref-59[59]
Siehe auch
Literatur
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Weblinks
Commons
: DNA-Replikation
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
⢠David Hull und John S. Wilkins: Eintrag in Edward N. Zalta (Hrsg.): Stanford Encyclopedia of Philosophy.Vorlage:SEP/Wartung/Parameter 1 und Parameter 3 und nicht Parameter 2
⢠Maxanim animierte Darstellung der DNA-Replikation (engl.)
⢠Replikation der DNA mit Bildern und Beschreibung
⢠Animierte Darstellung der DNA-Replikation mit Erläuterungen
⢠âForscher zeichnen zum ersten Mal auf, wie sich DNA verdoppelt â und es ist anders, als erwartetâ, Galileo.tv, Juni 2016
⢠SIB: Viral replication/transcription/translation Viral replication/transcription/translation, §Replication, auf: Expasy ViralZone
Einzelnachweise
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